Toleranzabzug Geschwindigkeitsmessung

Toleranzabzug bei Geschwindigkeitsüberschreitung

Toleranzabzug bei Geschwindigkeitsüberschreitung

Toleranzwerte bei der Geschwindigkeitsmessung

Welcher Autofahrer kennt das nicht? Das plötzliche rote Licht des Blitzer vor Augen und den Fuß auf der Bremse. Da ist es mal wieder passiert. Sie wurden wegen der Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit geblitzt. Sofort stellt sich die Frage nach der Höhe der Überschreitung. Um wie viel verringert der Toleranzabzug meine Strafe? Alles Wichtige zu diesem heiklen Thema erklärt unser Bericht.

Warum gibt es Toleranzabzüge?

Toleranzabzug Geschwindigkeitsmessung

Meßtoleranzen und -genaugkeiten bei stationären Geschwindigkeitskontrollen: Wie viel Toleranz wird abgezogen? Foto: l i g h t p o e t / Bigstock

Der Abzug der Toleranz erfolgt nicht aufgrund der Freundlichkeit der messenden Stellen. Vielmehr sollen Messungenauigkeiten pauschal abgedeckt werden. Abweichungen treten bei jeder Art von Blitzgeräten auf, wobei mobile Blitzer in der Regel einer höheren Abweichungswahrscheinlichkeit unterliegen als ihre festinstallierten Pendants. All diese Messungenauigkeiten werden von der Physikalisch – Technischen- Bundesanstalt in Braunschweig definiert und beim Festlegen des Strafmaßes berücksichtigt.

Wovon hängt die Höhe des Abzuges ab?

Hartnäckig hält sich die Meinung, der Abzug der Toleranz ist einzig und allein von der gefahrenen Geschwindigkeit abhängig. In Wirklichkeit beeinflussen weit mehr Faktoren die Höhe der Toleranz. Beispielsweise spielt es eine Rolle, ob die Geschwindigkeitsmessung tagsüber oder in der Dunkelheit durchgeführt wird. Höhere Abweichungen werden so auch bei Aufnahmen durch verfolgende Autos der Polizei, sogenannte Nach-Fahrten angenommen.

Der entscheidendste Grund für unterschiedliche Fehlertoleranzen ist aber das angewandte Messverfahren. Neben Lichtschrankenmesssystemen und Lasermessgeräten gibt es mittlerweile Messungen über Induktionsschleifen sowie Blitzer in Verkehrsüberwachungsanlagen. All diese Systeme funktionieren unterschiedlich genau und zuverlässig, so dass auch hier verschiedene Toleranzen angenommen werden.

Zu guter Letzt muss noch berücksichtigt werden, auf welcher Straße die Überschreitung gemessen wurde. So gelten innerorts andere Toleranzen als außerorts. Auf Autobahnen werden wieder neue Maßstäbe angesetzt.

Wie hoch ist die Toleranz in der Regel?

Unabhängig der vielen Einflussfaktoren auf die Messergebnisse gibt es doch einige grundsätzliche Anhaltspunkte für die Berechnung der Toleranz. So wird das Ergebnis bei Geschwindigkeiten unter 100 Kilometer pro Stunde in den meisten Fällen um 3 Stundenkilometer reduziert. Bei Geschwindigkeiten über diesem Wert werden in der Regel 3 Prozent angezogen. Bei besonders risikobehafteten Messverfahren wie der polizeilichen Nach-Fahrt erhöht sich der Toleranzwert auf 4 bis 5 km/ bzw. Prozent. Nachfolgend sollen dies zwei Rechenbeispiele genauer verdeutlichen:

Ein Fahrzeug wird mit einer Geschwindigkeit von 78 Kilometer pro Stunde in einer Zone geblitzt, in der maximal 60 Stundenkilometer erlaubt sind. Nach Abzug der dreiprozentigen Toleranz bleibt hier eine Überschreitung von 15 Kilometer pro Stunde anstatt der rechnerischen 18 km/h übrig.

Die Polizei verfolgt ein Fahrzeug, welches mit 140 Kilometer pro Stunde auf einer Straße unterwegs ist, auf der nur 100 erlaubt sind. Diese Überschreitung von 40 Kilometer pro Stunde reduziert sich nach Abzug der Toleranz von 4 bis 5 Prozent um 6 bis 7 Stundenkilometer.

Zu beachten ist dabei, dass bei Dezimalzahlen stets zu Gunsten des Geschädigten aufgerundet wird.

Kann ich meine Abweichung selbst berechnen?

Die schlechte Nachricht zuerst: Die Toleranz verbindlich selbst auszurechnen ist nicht möglich. Selbst dann, wenn der genaue Toleranzwert bekannt wäre, gibt es dafür mehrere Gründe. Einerseits erfolgt der Abzug des Toleranzwertes stets vom Messwert und nicht vom Tachowert. So zeigt ein Blick auf den Tachometer selbst direkt nach dem Blitzen höchstwahrscheinlich bereits wieder eine andere Geschwindigkeit, als zum Messzeitpunkt. Zum Anderen ist die angezeigte Geschwindigkeit nie die wirklich gefahrene. Dies ist mit gesetzlichen Ursachen zu erklären, da ein Tachometer nie eine höhere als die tatsächliche Geschwindigkeit anzeigen darf. Um sicher zu gehen, sind die Geschwindigkeitsmesser der Fahrzeuge so kalibriert, dass sie stets einen niedrigeren Wert anzeigen.

Toleranzwerte bei Geschwindigkeitsüberschreitungen

Die Bange Frage jedes geblitzen Autofahrers lautet: Wie hoch ist der Toleranzwert der abgezogen wird? – Foto: Pexels

Lohnt es sich, meinen Bußgeldbescheid anzufechten?

Bei der Vielzahl an täglichen Messungen und einer fast unüberschaubaren Anzahl an verschiedenen Messgeräten- und verfahren erscheint es nur logisch, dass einige Messungen schlicht falsch sind. Und so ist es auch. Einige Experten gehen sogar davon aus, dass mindestens die Hälfte der Messungen Mängel aufweisen und somit falsch sind. Der Geschädigte kann bis spätestens zwei Wochen nach Erhalt Einspruch einlegen. In solchen Fällen muss ein Gutachten zum anwandten Messverfahren, den Geräten oder den Kenntnissen des Messenden angefordert werden. An all diese Unterlagen zu gelangen kann sehr umständlich sein. Außerdem kostet das Vorgehen viel Geld. Wer über eine Verkehrsrechtsschutzversicherung verfügt, muss sich darüber keine Gedanken machen. Allen anderen wird empfohlen, die Erfolgschancen von einem Verkehrsanwalt prüfen zu lassen. Gerne prüfen wir Ihren Bussgeldbescheid und legen bei Bedarf Einspruch ein.